29.07.2010
Immer ein Lächeln auf den Lippen
Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg hat seit dem Trainingsstart Anfang Juli wieder einen Brasilianer in seinen Reihen – Guilherme Martins dos Santos lautet der wohlklingende Name. Ob der 21-Jährige allerdings über die Rolle des Perspektivspielers hinauskommt, muss er erst noch beweisen.
Magdeburg. Nicht zuletzt mit einem Traumtor in den Winkel hatte dos Santos Ende Mai beim zweitägigen Casting mit 22 (!) Testspielern auf sich aufmerksam gemacht und schließlich einen Einjahres-Vertrag beim Club erhalten. Doch der Anfangseuphorie folgte schnell der graue Alltag.
Dabei begann sein Engagement recht verheißungsvoll. Beim Auftakttest in Ballenstedt (15:0) erzielte er die beiden ersten Tore. Doch dos Santos, der von Berater Michael Budzinski (Stendal) zum FCM gelotst wurde, ist bei Neu-Trainer Ruud Kaiser nicht erste Wahl. Zumindest nicht im Moment.
Zum einen fehlt es (noch) am nötigen Durchsetzungsvermögen, zum anderen an der Verständigung. Kaiser (spricht Deutsch, Holländisch, Englisch und Französisch) kann sich mit dem ehemaligen U-17-Nationalspieler, der nur des Portugiesischen mächtig ist, nicht unterhalten und ihm seine Fußball-Philosophie vermitteln. Der notwendige Deutsch-Unterricht ist zwar inzwischen angelaufen, aber das dauert natürlich alles seine Zeit.
Seiner guten Laune tut das keinen Abbruch. Der Spieler, der nach eigener Aussage keinen Vorbildern nacheifert („Nein, ich mag eigentlich jeden, der hart an sich arbeitet und Tore macht“), hat immer ein Lächeln auf den Lippen oder einen Scherz parat. Und er weiß, was er will: „Tore schießen und vorbereiten. Die Offensive liegt mir am meisten. Da habe ich meine Stärken.“ Seine Schwächen kennt er ebenfalls: „Meine Technik verbessern und eher abspielen.“ Letzteres hat Kaiser in den vergangenen Wochen mehrfach kritisiert ...
Von Magdeburg und seinem sportlichen Umfeld ist er sehr angetan: „Die Bedingungen sind richtig klasse hier, außerdem wird professionell gearbeitet. Hinzu kommt, dass der FCM Superfans hat.“
Geboren ist der Brasilianer, der von den Kollegen nur „Dos“ gerufen wird, in Rio de Janeiro. Über die Stationen Madureira, Bonsucesso und Silva Jardim landete er schließlich in Deutschland. Während hierzulande zuletzt so mancher unter den tro pischen Temperaturen litt, fühlte sich dos Santos – wen wundert‘s – so richtig wohl. Deswegen denkt er auch schon jetzt mit Grauen an die kalten Wintermonate. Ist dann das Heimweh besonders groß? Die Antwort ist (wieder) ein Lächeln und die ehrliche Auskunft: „Ab und zu kommt mal Heimweh auf, aber Fußball ist schließlich mein Beruf. Deswegen darf ich mich damit gar nicht erst beschäftigen.“ Immerhin kann er seine beiden Geschwister, Bruder Gustavo und Schwester Gabrielle, mit seinen Fotos versorgen und weiß, dass die beiden da besonders die Homepage von Volksstimme-Fotograf Björn Possiencke ( www.sportfoto-md . com) besuchen.
Übrigens: Heute trägt der FCM sein vorletztes Testspiel vorm Saisonstart (8. August in Lübeck) aus, ist ab 18.30 Uhr beim niedersächsischen Oberligisten VfV Hildesheim zu Gast.
V
« zurück