09.08.2019

„Freiburg ist ein Phänomen in der Bundesliga.“

 „Blau-Weiß interviewt“ mit Sören Bertram
Im Sommer wechselte der 28-jährige Offensivspieler vom SV Darmstadt 98 an die Elbe in die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Nach der Jugendausbildung beim FC St. Pauli und dem Hamburger SV sammelte Bertram Erfahrungen in allen drei deutschen Profiligen und bringt somit wichtige Erfahrungen in das Krämer-Team. Das Magdeburger Publikum ist ihm jedoch schon länger bekannt. Neben dem Perspektivwechsel auf die Stimmung in der MDCC-Arena beschreibt er seine Erfahrungen im DFB-Pokal und schätzt die Chancen gegen den SC Freiburg ein.
 
Sören, was macht ein Pokalspiel in deinen Augen so reizvoll?
Der Reiz liegt darin, dass man ein geiles Spiel abliefert und eine Runde weiterkommen kann. Ich glaube, gerade der FCM hat eine gute Pokalhistorie, das habe ich auch in den letzten Jahren immer wieder verfolgt. Ich denke nicht, dass sich die Freiburger gefreut haben: „Ey, wir müssen nach Magdeburg, geil“, sondern wahrscheinlich: „Boah, das ist ein ekliges Los vor einem richtig geilen Publikum in einem Hexenkessel.“ Diese gute Pokalhistorie wollen wir natürlich möglichst fortsetzen.
 
„Wir wollen die gute Pokalhistorie des FCM möglichst fortsetzen.“
 
Blick zurück: Wo hast du die Sommerpause verbracht, bevor die Vorbereitung für dich startete?
Ich war mit meiner Frau im Urlaub gewesen, da wir zuvor unsere standesamtliche Hochzeit hatten. Wir sind nach Mauritius geflogen und haben dort zehn schöne Tage verbracht. Die Vorbereitung ging dann aber relativ schnell wieder los und dann ging es für mich erstmal wieder zurück nach Darmstadt.
 
Was hast du für Hobbies außerhalb des Fußballplatzes?
Ich spiele recht gerne Tennis. Jetzt, wo der Spielbetrieb wieder läuft, freut man sich aber auch mal, wenn man einen Tag zum Durchschnaufen hat. Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit meiner Frau oder mit meinen Kumpels. Einige meiner Freunde waren auch schon bei den ersten Spielen dabei. Mit denen entspanne ich auch gerne oder wir gehen mal einen Kaffee trinken, nichts Außergewöhnliches.
 
„Es ist eine Ehre, jedes Mal vor so vielen Zuschauern spielen zu dürfen.“
 
Zuletzt hast du in Darmstadt nur wenige Einsätze bekommen, bei Stefan Krämer warst du in den ersten Spielen immer gesetzt. Wie wichtig ist es für dich, das Vertrauen vom Trainer zu spüren?
Ob man 18 oder 28 Jahre alt ist – jeder Spieler braucht das Vertrauen von Trainer und Verein. Ich habe das Vertrauen schon im ersten Gespräch, wo ich mich damals in Berlin mit Maik Franz und Stefan Krämer getroffen habe, gespürt. Sie haben mir deutlich signalisiert, dass sie mich im Team haben wollen, das war am Ende natürlich auch ausschlaggebend. Über den Verein an sich muss man nicht mehr so viel sagen – es ist eine Ehre, jedes Mal vor so vielen Zuschauern spielen zu dürfen. Ich hoffe, dass ich weiterhin das große Vertrauen mit guten Leistungen und positiven Resultaten zurückzahlen kann. 
 
Was für ein Trainertyp ist Stefan Krämer?
Er ist ein sehr, sehr akribischer Trainer, auch menschlich ist er absolut top. Das ist mir immer ganz wichtig, dass es auch auf der persönlichen Ebene passt. Taktisch bringt er uns voran und schafft es immer wieder, uns einen bestimmten Matchplan mitzugeben. In den ersten Spielen sah das vielleicht noch nicht so aus. Die Spiele gegen Zwickau oder Mannheim haben gezeigt, dass er ganz genau weiß, was in der Halbzeit zu tun ist, damit es wieder besser funktioniert. Ich denke, dass die richtigen Ergebnisse auf jeden Fall noch kommen werden.

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Gegen Braunschweig markierte Bertram seinen ersten Saisontreffer für den Club.
 
Mit 28 Jahren liegst du schon über dem Altersdurchschnitt der jungen Mannschaft (24,5 Jahre). Übernimmt man da automatisch die Rolle eines Führungsspielers?
Absolut. Das war auch der Anspruch von mir, dem Trainer und Maik Franz. Sie haben mich verpflichtet, um Verantwortung zu übernehmen und diese Rolle auszufüllen. Mit Beck, Gjasula, Kvesic und Perthel haben wir mehrere Spieler, die schon etwas mehr gesehen haben und mehr Erfahrung besitzen als die ganz jungen Spieler. Natürlich müssen wir vorangehen und das versuchen wir bestmöglich. Gerade in Drucksituationen, die jüngere Spieler noch nicht so oft erlebt haben, sorgen wir in der Kabine dafür, dass niemand den Mut verliert und alle weiterhin Gas geben.
  
Wo siehst du eher deine Stärken – im Torabschluss, als Vorlagengeber oder ist es die Kombination?
Ich glaube, dass mich gerade diese Kombination auszeichnet. Ich bin nicht nur der Vollstrecker, der die Tore macht, sondern kann auch Tore vorbereiten. Wir als Mannschaft haben dahingehend noch Luft nach oben, keine Frage. Das Zusammenspiel mit Beck und Kvesic kann sich noch weiterhin verbessern. Mein Gefühl sagt mir, dass wir uns immer besser finden werden und genug Qualität haben, um noch viele Tore zu erzielen.
 
Vor deinem Wechsel hast du die Stimmung in der MDCC-Arena nur als Gast wahrgenommen. Wie war es damals und wie ist es heute als Spieler des FCM?
Als Gast war es hier auch geil. Wir müssen uns auch bewusst sein, dass es für die Mannschaften, die in dieser Saison hierherkommen, das Spiel des Jahres ist. Die Stimmung ist einfach einzigartig in dieser Liga, so war es damals für uns auch. Für uns als Mannschaft heißt das natürlich, dass wir uns vor dieser Kulisse den Arsch aufreißen müssen. Was nach dem Mannheim-Spiel passierte, hatte ich in der Form auch noch nie erlebt. Trotz der Enttäuschung wegen des Ergebnisses wurden wir gefeiert und die Leistung der zweiten Halbzeit wurde honoriert. Das sollte uns Mut machen.
 
„Meine Hausaufgaben habe ich fast immer im Auto gemacht.“
 
Mit elf Jahren hast du deine Heimatstadt Uelzen verlassen. Was war das für ein Gefühl, auf einmal nicht mehr im behüteten Elternhaus zu leben?
Ganz zu Hause raus war ich erst mit 15. Mein Vater hat mich damals fast jeden Tag zum Training vom FC St. Pauli gefahren. Das war eine sehr stressige Zeit. Morgens um 07:00 Uhr ging der Tag los und ich bin mit Sporttasche in die Schule gegangen. Danach ab ins Auto oder in den Zug, meine Hausaufgaben habe ich fast immer im Auto gemacht. Am Ende hat es sich aber ausgezahlt und ich würde es genauso wieder machen.
 
Wie schätzt du den SC Freiburg ein und was sind die wichtigsten Faktoren, um als Außenseiter die erste DFB-Pokalrunde zu überstehen?
Freiburg ist ein Phänomen in der Bundesliga und schafft es fast jedes Jahr vorzeitig, die Klasse zu halten. Aus den Mitteln, die sie haben, machen sie das Optimalste. Mit Christian Streich haben sie einen Trainer, der sehr sympathisch und authentisch rüberkommt. Der lässt sich nicht verbiegen und sticht mit seiner Art sehr hervor, das gefällt mir total gut. Die Mannschaft spielt genauso wie er als Typ ist und zeigt ehrlichen Fußball. Es wird ein schwieriges Spiel, aber für Erstligisten ist es das erste Pflichtspiel und vielleicht klappt die Abstimmung noch nicht so gut– darin liegt unsere Chance.
 
„Die Mannschaft spielt genauso wie Christian Streich als Typ ist und zeigt ehrlichen Fußball.“
 
Glaubst du an die These „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“?
(lacht) Ja, irgendwo schon. Das gab es ja schon öfter, dass kleinere Mannschaften höherklassige Mannschaften geschlagen haben. Und warum sollte uns das nicht auch gelingen?
 
Mit Augsburg, Halle und Aue hast du bereits drei Partien im DFB-Pokal absolviert. Was hast du für Erinnerungen an den Wettbewerb?
In Augsburg hatten wir Schalke im Achtelfinale 2010/2011 am Rande einer Niederlage. Das war damals ein echtes Highlight. Schalkes Trainer war Felix Magath, auf dem Platz standen Manuel Neuer, Raúl, Klaas-Jan Huntelaar, Ivan Rakitić oder Jefferson Farfán. Ich wurde eingewechselt und hatte sogar noch eine große Chance. Ich bin alleine auf Manuel Neuer zugelaufen, aber das Tor wurde ganz schön klein, als er herausgelaufen kam. (lacht) Am Ende hat sich leider die individuelle Klasse der Schalker durchgesetzt.
 
Wenn es zum Elfmeterschießen kommt – schnappst du dir den Ball?
Auf jeden Fall.
 


(Fotos: Sportfotos Magdeburg)

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