31.07.2021

DDR-Olympiasieger 1976

Martin Hoffmann wird Olympiasieger

Wenn Martin Hoffmann heute im heimischen Gommern am Frühstücktisch sitzt und über TV oder Radio Olympiaberichte aus Tokio seine Augen bzw. Ohren erreichen, wird er sich mit Sicherheit an den größten Erfolg seiner überaus erfolgreichen Fußballerkarriere erinnern. Auf den Tag genau vor 45 Jahren wurde er in Montreal mit der DDR-Fußball-Nationalmannschaft Olympiasieger. Mit diesem Erfolg wurde der Gommeraner Junge zum erfolgreichsten DDR-Fußballer aller Zeiten, denn er war der einzige DDR-Kicker der sowohl Olympiasieger wie auch Europapokalsieger wurde.

Als im Vorsommer 1976 der Kader für das Olympische Fußballturnier berufen wurde, war Martin Hoffmann, auf Grund von Verletzungen oder Formschwäche anderer Spieler, der einzige Magdeburger im Aufgebot.

Am Sonntag, dem 18. Juli begann für die DDR-Kicker in Toronto das Abenteuer Olympia gegen die Auswahl von Brasilien. Beim 0:0 wurde Martin Hoffmann in der 85.Minute für den Leipziger Löwe eingewechselt. Vier Tage später ging es in Montreal gegen Spanien bereits um den Einzug in das Viertelfinale. Obwohl der DDR-Auswahl bereits ein Unentschieden zum Weiterkommen reichte, siegten die Buschner Schützlinge durch ein Tor des Dresdners Dixie Dörner unmittelbar nach Wiederbeginn mit 1:0. Martin Hoffmann kam die gesamte Spielzeit zum Einsatz, wie dann auch in den verbleibenden Partien.

Hoffmann_WM74

Martin Hoffmann, hier bei der WM 1974.

Im Viertelfinale trat die DDR am 25. Juli in Ottawa gegen Frankreich an. Die Franzosen hatten mit dem damals 21-jährigen Michel Platini einen späteren Weltstar in ihren Reihen. Endlich zeigte die Mannschaft ihr wahres Gesicht und fegte ihren Gegner förmlich vom Platz. Wolfram Löwe brachte die Mannschaft nach 28. Minuten mit 1-0 in Führung. Der Knackpunkt des Spieles war die 59. Minute, als Schade im Strafraum der Franzosen nur durch Foulspiel zu bremsen war und der italienische Schiedsrichter Michelotti keine Sekunde zögerte, um auf den Elfmeterpunkt zu zeigen.

Die Franzosen wollten die Entscheidung nicht akzeptieren und stürmten vehement auf den Mann in Schwarz los. Zwei Spieler der Equipe Tricolore übertrieben dies anscheinend, so dass Rubio und Fernandes mit jeweils einer Roten Karte zum Duschen geschickt wurden. Den Strafstoß verwandelte Dörner gewohnt sicher. Mit doppelter Überzahl gelangen der DDR-Auswahl noch zwei weitere Treffer durch erneut Dörner, der einen weiteren Strafstoß verwertete und dem gerade eingewechselten Riediger. Dem zweiten Foulelfmeter ging ein Foul an Martin Hoffmann voraus.

Als nächstes wartete zwei Tage später im Halbfinale in Montreal die Sowjetunion, die als Turnierfavorit galt, auf die DDR-Mannschaft. Die 50.000 Zuschauer im Olympiastadion von Montreal sahen schon in der 1. Halbzeit eine glänzend eingestellte DDR-Elf. Die weltweit gefürchtete Doppelspitze Blochin-Onistschenko wurde von der DDR-Verteidigung weitgehend aus dem Spiel genommen. Nach einer Stunde belohnte sich die Buschner-Elf zum ersten Mal, als erneut der Dresdener Dörner einen Foulstrafstoß verwandeln konnte.

Vier Minuten später nutzte der Jenenser Kurbjuweit einen Fehler in der sowjetischen Hintermannschaft mit einem Gewaltschuss zur 2-0 Führung. Die Sowjetische Mannschaft konnte zwar in der 83. Minute durch Kolotow vom Elfmeterpunkt noch einmal verkürzen, doch die in Blau und Weiß spielende DDR-Mannschaft konnte durch Kampf, Leidenschaft und taktischem Geschick den knappen Vorsprung über die Runden bringen.

Am 31. Juli ging es dann in Montreal zwischen der DDR und Polen, die im Halbfinale Brasilien mit 2-0 bezwingen konnten, um die Olympische Goldmedaille. Die polnische Mannschaft, die zwei Jahre zuvor bei der WM den 3. Platz belegte, war leicht favorisiert. Doch die Kicker aus der DDR legten einen Blitzstart hin. Bereits nach sieben Minuten gelang Hartmut Schade aus Dresden die Führung.

Vorangegangen war ein Freistoß von Martin Hoffmann. Und „Hoffi“ zeigte in der 14. Minute, das er nicht nur vorbereiten sondern auch selbst treffen kann. Nach starker Vorarbeit von Schade, Riediger und Häfner konnte der Magdeburger unter Zuhilfenahme des rechten Innenpfostens zum vielumjubelten 2-0 einnetzen. Die DDR-Elf zog sich in der Folgezeit nicht zurück und versuchte sich weitere Chancen zu erspielen.

Nach dem Wechsel erwartete jedermann eine stürmisch angreifende polnische Mannschaft. Doch der Sekundenzeiger hatte noch nicht einmal eine volle Umdrehung absolviert, da musste Szymanowski für seinen bereits geschlagenen Torwart auf der Linie klären. Den Polen gelang zwar nach einer Stunde durch Lato der Anschlusstreffer, doch eine reine Abwehrschlacht der DDR-Mannschaft bekamen die Zuschauer nicht zu sehen.

Immer wieder versuchte man dem Druck der Polen durch eigene Nadelstiche zu entgehen. Als sechs Minuten vor dem Ende Häfner nach einem von Schade eingeleiteten Konter zum 3:1 abschloss war die Entscheidung gefallen. Die DDR-Mannschaft mit dem Magdeburger Martin Hoffmann war Olympiasieger.

DDR_Olympia_1976

Das DDR-Team feiert den Olympiasieg.

Spieler des 1. FC Magdeburg haben bei Olympischen Spielen eine komplette Medaillenkollektion zusammen gesammelt. Hermann Stöcker (1964) sowie Manfred Zapf, Jürgen Sparwasser, Wolfgang Seguin und Jürgen Pommerenke (1972) gewannen die Bronzemedaille. Wolfgang Steinbach kam von den Olympischen Spielen 1980 in Moskau mit Silber nach Hause.

Die olympische Bronzemedaille 1972 gewann auch der FCM-Rekordtorjäger Joachim Streich, allerdings spielte er da noch im Trikot von Hansa Rostock. Auch Dirk Heyne und Dirk Stahmann hatten durch eine erfolgreiche Qualifikation 1984 für die Spiele in Los Angeles die Chance auf Olympisches Edelmetall, doch der Olympiaboykott der sozialistischen Länder machte ihre Chance zunichte.

Diese Spieler holten den Olympiasieg für die DDR: Jürgen Croy (BSG Sachsenring Zwickau), Hans-Jürgen Dörner, Reinhard Häfner, Gerd Weber, Dieter Riedel, Gerd Heidler (alle Dynamo Dresden), Gerd Kische (FC Hansa Rostock), Bernd Bransch (HFC Chemie), Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit, Hans-Ulrich Grapenthin (alle FC Carl Zeiss Jena), Reinhard Lauck, Hans-Jürgen Riediger (beide BFC Dynamo), Wolfram Löwe, Wilfried Gröbner (beide 1. FC Lokomotive Leipzig, Martin Hoffmann (1. FC Magdeburg).

Viele internationale Experten zweifelten damals den Wert des Olympischen Fußballturniers an. Da die Olympischen Spiele vom Papier her reine Amateurspiele waren, fehlten die Profispieler aus Europa und Südamerika.

Trotzdem schlug die DDR-Mannschaft immerhin den WM-Dritten von 1974 Polen, die genau wie die Sowjetunion mit ihrer stärksten Mannschaft aufliefen. Die Sowjets hatten einen starken Block von Dinamo Kiew, die immerhin im gleichen Jahr den Europäischen Supercup gegen Bayern München gewannen.

 

Fotos: 1. FC Magdeburg (Archiv)

 

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