FCM fragt nach: Interview mit Luca Schuler

„Der FCM ist für mich

etwas ganz Besonderes“

Profis

„Der FCM ist für mich etwas ganz Besonderes“ – Interview mit Luca Schuler

Luca Schuler hat sich beim 1. FC Magdeburg auf Anhieb gut eingelebt. Der 22-jährige Stürmer kam im Sommer vom FC Schalke 04 II zum Club, traf in der 3. Liga bisher fünfmal und gab zudem zwei Vorlagen.

Mit Manuel Holscher sprach er im Interview über seinen Lauf zu Saisonbeginn, den Umgang mit Rückschlägen, wie wichtig ein zweites berufliches Standbein ist und wie er die Stimmung im Stadion genießt. 

 

Luca, Du bist im Sommer vom FC Schalke 04 II zum 1. FC Magdeburg gekommen. Wie gut hast Du Dich mittlerweile eingelebt?

Luca Schuler: Ich habe mich sehr gut eingelebt und wurde, wie allen anderen neuen Spieler, von der Mannschaft richtig gut aufgenommen. Das finde ich gerade am Anfang wichtig, wenn man noch nicht so viele Leute kennt. Zudem habe ich recht schnell eine Wohnung gefunden, in der ich mich sehr wohl fühle. Auch die Vorbereitung lief für die Mannschaft und mich gut – was den Einstieg außerdem erleichtert hat.

Du hast auf dem Rasen kaum Anlaufzeit gebraucht, hast in fast allen Testspielen und auch zu Beginn der Saison getroffen. Wie erklärst Du Dir diesen schnellen Lauf?

Das lag unter anderem auch daran, dass ich mich wohl gefühlt habe. Das System, das wir spielen, liegt mir. Es gibt mir als Stürmer einige Freiheiten. Und ich glaube, dass hat man dann auch auf dem Platz gesehen. Wenn es einmal läuft, dann läuft es oft weiter (lacht).

 

Schuler_2

Luca Schuler schoss in der Vorbereitung und zu Saisonbeginn zahlreiche Tore.

 

Zuletzt hattest Du allerdings etwas Abschlusspech. Gegen Viktoria Berlin hast Du einen Elfmeter vergeben. Was ging Dir in der Halbzeit durch den Kopf?

In erster Linie habe ich mich geärgert, dass ich den Elfmeter nicht verwandelt habe, weil es einfach eine gute Chance war, der Mannschaft zu helfen, ein Tor zu machen und auf 2:0 zu erhöhen. Im besten Fall sollte man als Stürmer aber gar nicht zu viel darüber nachdenken und positiv bleiben, daran glauben, dass die nächste Chance genutzt wird.

Torjäger leben oft in Extremen – zwischen Wochen mit Toren in Serie oder auch mal ohne Erfolgserlebnis. Wie hältst Du für Dich die Balance?

Ich versuche, immer positiv zu bleiben. Wenn es läuft, dann sollte man das einfach mitnehmen und die Überzeugung sowie das Selbstvertrauen auch auf dem Platz zeigen. Wenn es mal persönlich nicht so rund läuft, darf man aber nicht denken, dass man eine Krise hat. Ich bin davon überzeugt, dass nur derjenige eine Krise hat, der glaube, dass er eine hat. Es gilt, an seine eigenen Stärken zu glauben und daran festzuhalten.

Schuler_3_Neu

Der 22-jährige Stürmer hat sich beim FCM sehr schnell und gut eingelebt.

 

Unser Club ist gut in die Saison gestartet. Hättest Du damit gerechnet?

Erhofft hatte ich mir das auf jeden Fall. Das gilt sicherlich für jeden Spieler. Nach den ersten Tagen und Wochen in der Vorbereitung war zu sehen, was in unserer Mannschaft steckt. Nach den ersten Testspielen habe ich dann schon daran geglaubt, dass es gut laufen kann, wenn wir diese Form in der Saison auch auf den Platz bringen. Das haben wir bisher über weite Strecken gut geschafft. Daran wollen wir anknüpfen.

Mit Jason Ceka und Tim Sechelmann bist Du zwei ehemaligen Weggefährten getroffen. Hat es geholfen, in der neuen Umgebung nicht ganz allein zu sein?

Gerade in den ersten Tagen war das super. Wir waren zu Beginn gemeinsam im Hotel, haben uns häufig getroffen, waren etwas essen, haben uns viel ausgetauscht. In der kleineren Gruppe haben wir die anderen Jungs dann auch sehr schnell kennengelernt. Das hat uns allen enorm geholfen.

Beim FC Schalke 04 hast Du in der vergangenen Saison zwei Bundesligaeinsätze gehabt – in Mönchengladbach und zu Hause gegen Mainz 05. Wie hast Du die Einsätze erlebt?

Das war sensationell und etwas, wovon jeder Fußballer träumt. In der Bundesliga ist es noch mal eine ganz andere Dimension – vom Medienaufkommen, vom gesamten Aufwand, der betrieben wird. Leider waren in beiden Spielen wegen der Corona-Pandemie keine Zuschauer zugelassen. Trotzdem war es natürlich ein Erlebnis.

Wolltest du schon immer Fußballprofi werden?

Ja, ich habe früh mit Fußball angefangen und es war immer mein Ziel. Dass es dann auch so klappt, ist zwar alles andere als selbstverständlich. Mein Traum, mein Ziel war es aber von Beginn an.

Du hast trotz Deiner Fußball-Laufbahn früh auf ein zweites berufliches Standbein gesetzt, hast eine Tischler-Lehre gemacht. Warum?

Mir und auch meinen Eltern war es wichtig, dass ich etwas in der Hand habe, wenn es mit dem Fußball nicht klappt. Ich empfinde das als sehr wichtig, weil ich immer wieder von Spielern gehört habe, denen der Sprung in den Profifußball nicht gelungen ist, die aber kein zweites berufliches Standbein hatten. Im Fußball kann es schnell vorbei sein, durch Verletzungen oder auch einfach durch Pech. Deshalb war meinen Eltern und mir wichtig, dass ich eine Alternative habe, die mir auch Spaß macht. Ich habe die Lehre nicht nur gemacht, um etwas zu haben. Mir hat es richtig gut gefallen.

Was hat Dir daran am meisten gefallen?

Ich arbeite sehr gerne mit Holz. Morgens bin ich in die Werkstatt gekommen und habe abends gesehen, was ich geschafft habe. Das ist ein gutes Gefühl.

 

Schuler_1_Neu

Luca Schuler ist enorm schnell und torgefährlich. Für den FC Schalke 04 hat er zwei Bundesligapartien bestritten.

 

Hast Du aus der Lehre Erfahrungen mitgenommen, die Dir jetzt als Fußballprofi zugutekommen?

Ja, mir ist bewusst, dass wir als Profis ein richtig gutes Leben haben. Als Handwerker habe ich gemerkt, wie hart ich für mein Geld arbeiten musste. Profi-Fußballer zu sein ist ein großes Privileg.

Lässt Dich das in manchen Situationen etwas gelassener sein?

Das würde ich schon sagen. Ich schätze sehr, was ich jetzt habe und was ich machen darf.

Kannst Du Dir vorstellen, später wieder als Tischler zu arbeiten?

Stand jetzt kann ich mir das sehr gut vorstellen. In erster Linie vor allem deshalb, weil ich richtig Lust darauf hätte und nicht, weil ich es unbedingt muss.

Du hast unter anderem in Saarbrücken, Kaiserslautern und Köln gespielt. Wie ordnest Du Magdeburg im Vergleich ein?

Für mich ist es die erste richtige Station im Männer-Fußball. Zuvor war ich meistens in den U-23-Mannschaften oder im Nachwuchs. Deshalb ist der FCM für mich etwas ganz Besonderes. Hinzu kommen natürlich die Erlebnisse im Stadion, die wir gemeinsam mit den Fans haben. Das ist einfach nur sensationell.

Hast du in der Stadt einen Lieblingsplatz?

Mein Balkon, ich habe einen sehr schönen Blick. Und natürlich das Stadion, mit unseren Fans.

Viele Fans träumen vom Aufstieg in die 2. Bundesliga. Wie geht die Mannschaft damit um?

Bei uns ist das kein großes Thema. Wir sind noch sehr früh in der Saison, deshalb konzentrieren wir uns immer nur auf die nächste Aufgabe.

Am Freitag geht es zu Viktoria Köln. Dort startete unser Club in der vergangenen Rückrunde eine furiose Aufholjagd. Ein gutes Omen?

Das glaube ich schon. Viele Spieler, die im Frühjahr dabei waren, haben sicherlich sehr gute Erinnerungen an dieses Spiel. Vielleicht können wir dieses Gefühl auch jetzt mit nach Köln nehmen.

 

Fotos: 1. FC Magdeburg / Norman Seidler, Marvin Michitsch